Donnerstag, 8. November 2012

Zum Begriff "Zigeuner"

Immer wieder habe ich in meinem Unterricht davon gesprochen, daß es verfehlt sei, die deutsche Sprache durch fehlgeleitete "political correctness" verarmen zu lassen.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Begriff der "Zigeuner". Viele meiden ihn heute.

Dabei ist er farbenfroh und bunt, und bei mir ist er auch mit mystischen Geheimnissen und Frei- und Ungebundenheit assoziiert. Sogar in Operettentiteln wie "Der Zigeunerbaron" ist er zu finden.

Und dessen sollen die Deutschen sich nun berauben, durch ethnische Spezialbegriffe? Das Motiv ist die Angst vor der Abwertung, und so schafft man lieber ein – in zudem anderer Weise diskriminierendes – Kunstwort.

Ich sehe das nicht ein. Vom Begriff ist die Art der Interaktion mit den so Bezeichneten zu trennen, jedenfalls und insbesondere dann, wenn es nicht in ein in spezifischer Weise zur Perpetuierung dieser Interaktion geschaffenes Wort ist.

Und nun habe ich in der FAZ eine unerwartete Bestätigung (neben der im vorigen Link) von Zigeunerseite selbst gefunden:

Die Zigenuer in Katzendorf in Siebenbürgen möchten "Zigeuner" genannt werden. Sie können mit dem Begriff "Sinti" oder "Roma" nichts anfangen, wie vom Katzendorfer Dorfschreiber zu erfahren ist (Elmar Schenkel, Mein Jahr hinter den Wäldern, FAZ v. 13. Oktober 2012, S. 13). Es komme, wie Frieder Schuller sage, darauf an, daß man das Wort "Zigeuner" mit Respekt benutze. Man solle nicht die Wörter ändern, sondern die Beziehungen.

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